Der fliegende Teppich




Ich liebe diese Momente. In einem Markt voller Teppiche zu stehen! Wie das Pradies.
Sie drehte sich ein paar mal um sich herum, dann schaute sie sich die verschiedenen Teppiche an. Sie verglich sie mit ihren eigenen tausend Stücken und betrachtete die kunstvollen Muster und Bilder, die auf ihnen zu erkennen waren. Mal gepunktet, gestreift, gezackt, gestrichelt, mit Bildern von Vasen, Menschen, Häusern und soger mit anderen Teppichen versehen, waren diese einzigartigen Schönheiten. Lognoma staunte über diese Eleganz (und zum Teil auch über die Preise).
Sie ging an den verschiedenen Ständen vorbei und schaute sich manche Verkaufsstücke länger, manche kürzer an. Zum Teil fragte sie nach dem Preis, kaufte aber vorerst Keinen, bevor sie nicht die gesamte Sammlung gesehen hatte. Mit der Zeit kam sie zu einem Teppich, der unbeschreiblich war. Alle seine Abbildungen waren eigentlich vollkommen abstrakt, im Kopf allerdings verschmolzen die Wolken, der Wind und alles Andere auf ihm zu einer einzigen Sache: Fliegen. Dieser Teppich symbolisierte eindeutig das Fliegen. Seine Farben waren so stark ausgeprägt, eine Faszination. Sie musste ihn einfach bewundern, sie musste ihn einfach haben.
"Wieviel?", fragte sie den Händler.
"Er ist aus reinster Seide gewebt und der Knüpfer hat ein halbes Jahr gebraucht um ihn fertigzustellen. 1.000 und keinen Cent weniger"
1.000! Dieser Preis ist unangemessen. Mein gesamtes momentanes Budget. Normalerweise hätte sie zu einem so außergewöhnlichem Preis ohne weiteres nein gesagt, doch sie konnte nicht anders. Sie kaufte den Teppich.


Lognoma war wütend. Einige Stunden zuvor, hatte ihr ein gewitzter Teppichhändler erzählt, der Teppich den sie für 1.000 € gekauft hatte sei aus Seide. Ihr Prüfgerät meinte allerdings etwas Anderes. Sie war so schnell sie konnte noch einmal zurückgelaufen, doch der mysteriöse Händler war verschunden. Sie schmiss den Teppich aus ihrem Fenster. Bin ich verrückt geworden! Einen Teppich für 1.000 € zu kaufen, obwohl ich nicht einmal weiß ob er echt ist!
Sie legte sich hin. Hoffentlich wird der nächste Tag besser.

In der Nacht wachte Lognoma auf. Sie hatte Durst. Kurz schaute sie aus dem Fenster in die Nacht hinein.
Ah! Da schwebt mein Teppich den ich gestern bei dem Teppichhändler gekauft habe. Sie ging weiter. Dann dachte sie nach, lief noch ein paar Schritte zurück und blickte wieder hinaus ins Freie. Seit wann können Teppiche fliegen? Träume ich? Ach egal, ob es nur ein Traum ist, wenn dann soll es wenigstens ein Guter werden. Sie flog mit dem Teppich noch etwas herum, vollbrachte einige Kunststücke, flog mit Höchstgewschindigkeit und kostete die Aussicht aus. Wunderbar! Dann schlief sie ein.

Sie wachte auf. Ein wunderschöner Morgen mit Meeresgeruch lag in der Luft. Stopp! Sie wohnte nicht am Meer! Schon wieder wusste sie nicht was passiert war. Lognoma drehte sich um und fiel.
Während des Fallens wurde ihr erst einmal klar, was Gestern und in der Nacht passiert war. Sie hatte doch diesen angeblich seidenen Teppich gekauft, der dann doch nicht aus dem vorgegebenem Stoff bestand. Dann hatte sie ihn aus dem Fenster geworfen.
In der Nacht war sie mit ihm geflogen. Cool!, dachte sie sich, Ich habe einen fliegenden Teppich. Aber ich falle. Mist! Wieso falle ich eigentlich so lange? Ich müsste doch schon längst unten ... In diesem Moment hatte sie erstmals die Augen aufgemacht und gesehen, dass sie nur wenige Meter vom Wasser entfernt war.
Glücklicherweise flog der Teppich unter sie und fing sie auf. Lognoma überwand ihren Schreck schnell. Wo bin ich? War ich die ganze Nacht auf diesem Teppich? Oh! Ich muss die ganze Nacht mit dem Teppich unbewusst umhergeflogen sein, während ich geschlafen habe und jetzt bin ich warscheinlich über irgendeinem Ozean! Ich habe nicht einmal einen Kompass oder eine Karte mit dabei!

Sie flog ohne ein Ziel mit dem Teppich in eine Richtung. Hoffentlich komme ich irgendwann an Land! Wieso musste ich ausgerechnet so einen Fehlkauf machen. Dieses Stück Stoff ist echt kein Segen!
Nach einigen Stunden kam sie an ein stark bewaldetes Stück Land. Sie flog über den Wald und bemerkte, dass es ein Regenwald war. Sie landete und versuchte ein paar essbare Früchte zu finden. Sie entdeckte haufenweise Früchte, doch waren die essbar? Sie ließ ihren Teppich an einer Stelle, die, wie sie meinte, gut geschützt war. Auf dem Boden konnte sie mit ihm sowieso nicht fliegen. Lognoma kam zu einem Baum, mit einigen Affen. Diese aßen irgendwelche Früchte. In der Hoffnung, dass diese nicht giftig waren, probierte Lognoma auch ein paar. Sehr Schnackhaft! Ich sollte diese Früchte mitnehmen. Für eine lange Reise brauche ich natürlich Proviant und diese Früchte enthalten auch Wasser. Hoffentlich finde ich trotzdem noch etwas Anderes. Immer das Gleiche zu essen, wird eintönig. Den Rest des Tages, beschäftigte sie sich damit, Essbares zu suchen. Sie fand auch Einiges.
Als es schließlich dunkel wurde, fiel es ihr leicht das Versteck des Teppichs wiederzufinden, denn sie hatte sich nicht weit von ihm entfernt. Mit einer großen Fuhre Früchte, kam sie an. Sie legte ihren Proviant auf den Boden und tastete nach dem Teppich. Sie fühlte nichts. Wo ist der Teppich? Ich weiß doch ganz genau, dass ich ihn hierhin gelegt habe. Er muss geklaut worden sein! Was ist das jetzt schon wieder!!! Erst bemerke ich das dieser Teppich nicht aus Seide ist, dann fliegt er mich zu irgendeinem Meer oder Ozean und jetzt ist er weg. Wenn ich zu hause bin, werde ich ihn verbrennen. Er wird in Flammen aufgehen und er wird nie mehr fliegen. Aber was soll ich jetzt machen?! Wie soll ich hier wegkommen?!!! Den letzten Satz dachte sie nicht mehr, sie schrie ihn aus vollem Halse heraus. Dann rannte sie in eine willkürliche Richtung. Da sie nichts sah, krachte sie gegen einen Baum und bekam eine leichte Gehirnerschütterung. Voller Wut rannte sie noch einmal auf die Pflanze zu. Und ein drittes Mal mit Anlauf. Ihr Körper brach zusammen und sie wurde ohnmächtig. Blut rann aus einer Wunde an ihrem Kopf. Sie bekam schreckliche Albträme von Teppichen, die sie verfolgten.

Am nächsten Tag wachte sie auf. Alles juckte sie und ihr Kopf brummte. Gestern war ein schrecklicher Tag! Nun, heute muss ich wohl den Teppich suchen. Sie stand auf und war im ersten Moment entsetzt, was da alles auf ihrer Haut krabbelte. Käfer, Ameisen, Spinnen, Mücken. Lognoma kratzte sich, hieb auf die Kleintiere ein und versuchte alles um diese kleinen Plagen wegzubekommen. Als sie das geschafft hatte, machte sie sich aus einem großen Blatt ein Tasche, in welche sie die Frücht füllte und ging los.
Überall sirrten Mücken um sie herum. Müssen die unbedingt um mich herum fliegen? Lognoma war niedergeschlagen. Die letzten zwei Tage waren die Schlechtesten in ihrem Leben gewesen. Und jetzt lief sie orientierungslos herum um das wahrscheinlich einzige Fortbewegungsmittel zu finden, dass es in diesem Wald gab. Nach einiger Zeit hörte sie ein leises Rauschen. Ist das ein Fluss? Wurde langsam aber auch einmal Zeit, ich habe Durst.
Sie trank aus dem Fluss. Plötzlich kam ihr eine Idee. Ich könnte doch auf irgendetwas diesen Fluss entlangfahren. Dann finde ich den Teppich vielleicht leichter.
Sie nahm sich eine Liane, band diese dem nächstbesten Krokodil um das Maul und zog an der Schnur.
"Los!" Das Krokodil bewegte sich nicht. Sie wiederholte das einmal. Das Krokodil wollte wieder nicht in den Fluss. Erst als das Tier einen leichten Schlag auf den Kopf bekam, wollte es in den Fluss. Das Krokodil schwam Stromaufwärts. "Falsche Richtung umdrehen!" Lognoma zog wie wild an den Zügeln und endlich gab das Krokodil nach. Später war das Gefährt einfach zu steuern, sie hatte das Krokodil gezähmt.
Plötzlich tauchte ein anderer Aligator vor ihnen auf und schnappte nach Lognoma. Ihr Krokodil verteidigte sie, bis der Aligator schließlich aufgab.
"Gut gemacht", meinte Lognoma. Sie streichelte das Tier. Die Strömung wurde immer stärker. Bevor Lognoma sich bedeutende Gedanken darüber machen konnte, stürzten sie den Wasserfall auch schon hinab. Und siehe da, der Teppich fing sie auf. Auf dem Teppich stand der Affe, der aufgeregt kreischte. Lognoma schnappte nach ihm. Der Affe kreischte abermals, als ob er lachen würde, sprang ihr vor der Nase weg und fand sich kurz danach auf ihrem Kopf wieder. Sie versuchte ihn von dort herunter zu bekommen, aber er wollte nicht. Stattdessen, trommelte er unentwegt auf ihrem Kopf herum. Während auf dem Teppich der Kampf statt fand, bewegte sich das Transportmittel unter den Wasserfall.
Ein kalter Schauer traf die Beiden. Der kleine Affe sprang sogort von Lognomas Kopf und ließ sie allein unter dieser Dusche stehen. Riesige Wassermassen donnerten auf sie herab. Ist das kalt! Ich will hier weg! Lognoma hätte eigentlich ganz einfach aus dem Wall herausgehen können, doch sie war vollstänig gelämt. Sie konnte kein Glied bewegen. Der Schock war eingach zu groß. Nach einer halben Minute, schaffte sie es, sich langsam außerhalb der Reichweite des Wasser zu bewegen. Sie schaute den Affen an und dann mit einer Blitzschnellen Bewegung, fasste sie ihn am Hals, hob ihn hoch und hielt ihn außerhalb des Teppichrandes. Sie wollte das Tier fallen lassen, doch sollte sie wirklich ein Lebewesen töten? Nein, das kann ich ich nicht. Was soll ich mit dir jetzt machen? Sie schaute dem kleinen Äffchen in die Augen. Er schaute sie flehend an. "Gut ich behalte dich", beschloss sie schließlich, "Aber das du mir ja keinen Unnsin baust, verstanden!"
Sie ließ den Affen über dem Teppich los und dieser sprang sofort auf ihre Schultern. Dann fiel Lognoma ein Problem ein. Wie soll ich jetzt nach Hause? Ach, ich schlafe erst mal darüber. Sie legte sich hin und schlief tief und fest ein.


Ein Kratzen weckte Lognoma. Sie schaute sich um und bermerkte, dass eine Antenne durch den Teppich stach und einen langen Riss verursachte. Sofortig fiel der Teppich herunter, sauste das Schrägdach wie eine Rampe entlang nach unten und kam schließlich ruckartig vor einem Haus auf. Nein, das stimmte nicht, Entschuldigung. Er kam nicht vor irgendeinem, er kam vor ihrem Haus auf. Neben Lognoma auf dem Teppich, waren die beiden Tiere. Sie schliefen beide.

Wenigstens war der Teppich in einem Punkt gut.